09. Juni 2016

Besuch in der JVA Zwickau

Was im Volksmund Knast oder Gefängnis genannt wird, heißt im korrekten Verwaltungsdeutsch Justizvollzugsanstalt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat Zwickau eine solche Einrichtung im Herzen der Stadt. Am 12.05. nutzten 12 Genossinnen und Genossen der BO Mitte die Gelegenheit zu einer Führung durch die JVA Zwickau.

Im Gespräch mit dem Anstaltsleiter

14 Uhr an der Pforte geklingelt. Eine Eisentür wird aufgeschoben, Personalausweise und Handys eingesammelt, eine schwere Glastür öffnet sich. Die Führung beginnt mit einem einstündigen Gespräch auf der Verwaltungsebene mit Regierungsdirektor Andreas May, dem Leiter der JVA Zwickau. Er stellt die JVA vor und beantwortet zahlreiche Fragen.

In der JVA Zwickau wird hauptsächlich Untersuchungshaft an männlichen Jugendlichen und Erwachsenen aus den Gerichtsbezirken Zwickau und Chemnitz vollzogen. Weiterhin nimmt die Anstalt männliche Erwachsene, gegen die Ordnungs-, Sicherungs-, Zwangs- und Erzwingungshaft angeordnet ist, auf. Ebenso besteht die Möglichkeit des offenen Vollzuges. 110 Euro pro Tag kostet ein Haftplatz. Für die Essensversorgung stehen pro Gefangenem 2,90 Euro pro Tag zur Verfügung. Derzeit ist der jüngste Insasse 15 Jahre alt, der älteste über 80.

Auf dem Weg ins Hauptgebäude

Nach dem einstündigen Gespräch geht es in das Herz der Anstalt. Andreas May schließt eine erste Türe auf und wir stehen vor einer Wand von Sprechfunkgeräten. Jeder Bedienstete trägt dieses Gerät während des Dienstes. Es schlägt z.B. automatisch Alarm, wenn es sich mehr als 30 Sekunden in der waagerechten befindet. 4 weitere Türen werden geöffnet und hinter uns wieder verschlossen. Wir erreichen einen Gang, in dem seitlich eine Tür in einen kleinen Innenhof führt. Kurzer, zurückhaltender Blick durch die in der Tür eingelassene Glasscheibe, denn im Innenhof nutzen gerade Gefangene die eine Stunde pro Tag, die ihnen als Zeit im Freien zusteht.

7,8 Quadratmeter für 2 Gefangene

Nach zwei weiteren Türen sind wir im Hafthaus. Es hat drei Flügel - A, B und C. Jeder Flügel hat drei Stationen, also pro Flügeletage eine. Wir betreten Station B1 über einen breiten Gang. Dieses großzügige Platzangebot setzt sich in den Hafträumen nicht fort. Andreas May öffnet eine leere Zelle. Alle machen schnell wieder kehrt aus dem Haftraum, aber nicht weil die Zeit drängt, sondern weil die Enge drückend ist. Licht kommt durch ein schmales Oberfenster, vor dem ein eisernes Lochgitter angebracht ist und dahinter ein weiteres Eisengitter. Aus dem Wasserhahn über dem kleinen Waschbecken fließt nur kaltes Wasser. Ein Tisch, zwei Stühle, schmale Regale - den meisten Platz nimmt das Doppelstockbett ein.

Werkstätten im Keller

Unser Rundgang endet im Kellergeschoss. Andreas May zeigt uns die Werkstätten und den Küchentrakt. In einer Werkstatt entstehen z.B. weihnachtliche und österliche Holzfiguren. Über gitterladen.de oder direkt bei der JVA Zwickau können diese Produkte gekauft werden. Der Hälfte aller Insassen kann derzeit ein Arbeitsplatz angeboten werden. Arbeit ist ein gefragtes Gut, auch weil sich die Gefangenen so einen sehr geringen Betrag an Lohn selbst erarbeiten können, der zum Beispiel in einen Einkauf an Lebensmitteln umgesetzt werden kann.

Nach 2 Stunden enden Gespräch und Führung. Am Ende unseres Rundgangs stehen drei Polizeibeamte im Eingangsbereich. Wieder ein Neuzugang. Wir holen unsere Ausweise und Handys zurück und verlassen die JVA Zwickau mit Respekt für Arbeit der Bediensteten.

Kategorien: Zwickau

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