16. Januar 2014 Sabine Zimmermann

Echte Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrenten endlich angehen

Nach der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von mir ging gut jeder Fünfte (21,5 Prozent) der bundesweit 829.450 Neurentnerinnen und -rentner im Rentenzugang 2012 (aktuellste verfügbare Angabe) über eine Erwerbsminderungsrente in Rente und das, obwohl fast die Hälfte aller Anträge (41,74% in 2012) abgelehnt wird. Das sind fast 180.000 Menschen, die größtenteils mit sehr niedrigen Renten auskommen müssen.

Die Erwerbsminderungsrenten befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Der durchschnittliche Zahlbetrag liegt für Neuzugänge nur noch bei 607 Euro (646 Euro bei voller Erwerbsminderung, 358 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung) und damit deutlich unterhalb des Niveaus der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Bruttobedarf außerhalb von Einrichtungen aktuell: 706 Euro). 2001 lag der durchschnittliche Zahlbetrag im Rentenzugang noch bei 676 Euro (724 Euro bei voller Erwerbsminderung, 479 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung).  

Echte Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente sind dringend geboten. Die große Koalition will nun zwar Schritte dazu unternehmen, etwa durch die Anhebung der Zurechnungszeit um zwei Jahre. Diese gehen aber nicht weit genug. Sie brächten im Schnitt nur 45 Euro mehr. Die systemwidrigen Abschläge, die im Schnitt 77,50 Euro betragen, wollen Union und SPD dagegen nicht abschaffen. Dabei würde gerade das die Situation der Erwerbsgeminderten deutlich verbessern. Denn sie sind zu 96,4 Prozent von Abschlägen betroffen.

Die Abschläge müssen weg! Sie sind ungerecht, denn niemand wird freiwillig krank. Außerdem muss das Rentenniveau wieder angehoben werden. Denn wenn es weiter sinkt, werden die von der neuen Regierung geplanten Verbesserungen wieder aufgefressen. Und wir müssen den Zugang zu Erwerbsminderungsrenten erleichtern: Es kann nicht sein, dass jeder zweite weg geschickt wird. Menschen, die sich kaputt gearbeitet haben, müssen abgesichert aus dem Erwerbsleben ausscheiden können und Zugang zu auskömmlichen Versicherungsleistungen erhalten.

Kategorien: Sozialpolitik

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Beitrag

Hinterlassen Sie einen Kommentar