16. Februar 2014 Sabine Zimmermann

Frauen - Arbeitnehmerin zweiter Klasse?

Ein Kommentar von Sabine Zimmermann zum Internationalen Frauentag

Noch nie waren so viele Frauen erwerbstätig wie heute. Das gibt mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit und eigentlich die Chance einen großen Schritt vorwärts bei der Gleichberechtigung zu machen. Aber weil die Politik sich weigert, entscheidende Maßnahmen für die Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu ergreifen, wird die bestehende Benachteiligung zementiert.

Frauen arbeiten inzwischen in vielen Bereichen. Ein Grundmuster bleibt jedoch erhalten: Frauen sind übermäßig oft befristet beschäftigt, in Teilzeit oder gar in Minijobs gefangen und arbeiten in Branchen, in denen schlechter bezahlt wird. Das alles führt dazu, dass Frauen durchschnittlich 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Damit ist Deutschland in der Europäischen Union eines der traurigen Schlusslichter. Nur Österreich und Estland stehen schlechter da. Europaweit liegt der Verdienstabstand bei 16 Prozent.

Der Stressreport des Bundesarbeitsministeriums hat zudem ergeben: Frauen fühlen sich auf der Arbeit wesentlich häufiger beansprucht und erschöpft als Männer. Es ist ein Märchen, dass sogenannte Frauenberufe im Gesundheits- und Sozialwesen und in Dienstleistungen weniger anstrengend sind. Hinzu kommen für viele vor und nach der Arbeit familiäre Verpflichtungen wie Kindererziehung und Pflege Angehöriger.

Ohne eine andere Weichenstellung in der Arbeitsmarkt-, Beschäftigungs- und Familienpolitik wird sich an all dem nichts ändern. Sucht man im Koalitionsvertrag von Union und SPD nach entsprechenden Maßnahmen findet man nicht viel. Kein Wort zu den Minijobs als einem der größten Arbeitsmarkthemmnisse für Frauen, keine gesetzlichen Maßnahmen gegen Befristungen oder für eine Aufwertung der sogenannten „Frauenberufe“.

Aber wir können nicht warten. Im 21. Jahrhundert sollte kein Platz mehr sein für eine Arbeitnehmerin zweiter Klasse. Zusammen mit Gewerkschaften und Frauenverbänden wird DIE LINKE nicht locker lassen.

Kategorien: Sozialpolitik

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