17. Mai 2015 Jörn Wunderlich

Perspektivwechsel – Ein Tag auf der Intensivstation der Uniklinik Leipzig

Nach wie vor arbeiten mehr Frauen als Männer in Pflegeberufen. Nach wie vor können sich nur wenige vorstellen, wie so ein Arbeitsalltag in Pflegeberufen ausschaut, wie das Verhältnis zwischen der zu leistenden Arbeit und der Vergütung ist – von Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit ganz zu schweigen. Und natürlich haben Politiker, erst recht Berufspolitiker sowieso keine Ahnung von der praktischen Arbeit – auch in Pflegeberufen. Die Aktion Perspektivwechsel bietet nun die Möglichkeit, mal aus Plenarsälen und Büros rauszukommen und in den Arbeitsalltag verschiedener Bereiche reinzuschnuppern. Mehr ist an einem Tag nicht möglich und trotzdem bietet ein solcher Tag interessante Einblicke und Gespräche mit jenen, die tagtäglich diesen Job machen.

Ich hatte mich für die Intensivstation der Uniklinik Leipzig entschieden. Ich wollte wissen, wie so ein Arbeitstag dort ausschaut, welche Probleme zu bewältigen sind und wie es mit der Vereinbarkeit mit der Familie ausschaut.

Intensivstation heißt, hier liegen schwerstkranke Menschen, die besonders überwacht und betreut werden müssen; peinlichste Hygiene und Desinfektion der Hände bei jedem Betreten und Verlassen der Station und eigentlich auch bei jedem Handgriff am Patienten; überall Überwachungsmonitore und Geräte und dazu das ständige Piepen eben dieser, Alarmsignale und man muss im Vier-Bett-Zimmer schnell erkennen von welchem Patienten diese kommen. Anstrengend ist das schon. Die Patienten müssen gewaschen, gebettet und mit Medikamenten versorgt, zum Röntgen usw. gebracht werden, benötigen Hilfe beim Essen und auch die Angehörigen benötigen manchmal Betreuung. Kurz, es ist ein verantwortungsvoller Job im Drei-Schicht-System , der den ganzen Menschen – physisch und psychisch – fordert und wo man auch mal kurzfristig für die kranke Kollegin/den kranken Kollegen einspringt oder länger bleibt, weil es einfach nötig ist. Familienfreundlich ist das ebenso wenig wie ich finde, dass die Arbeit der Pflegenden angemessen vergütet wird. Hier haben wir als Gesellschaft und die Politik insbesondere eine große Aufgabe und Verantwortung. Denn mit Blick auf den demografischen Wandel werden die Aufgaben der Pflegenden nicht weniger, werden wir zukünftig mehr Pflegende brauchen. Schon jetzt gibt es viel zu wenig Personal im Pflegebereich und das wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Wir müssen wesentliche Verbesserungen schaffen sowohl bei der gesellschaftlichen Wertschätzung der Arbeit von Pflegepersonal aber und gerade auch bei ihrer Vergütung. Und seien wir ehrlich, einen solchen Job macht keine/r bis 67 oder darüber hinaus.

Ich danke den Mitarbeitern der Station – Ärzte und Ärztinnen, Schwestern und Pflegern usw. – ganz herzlich für die Eindrücke dieses Tages und ihre Geduld. Beim nächsten Perspektivwechsel werde ich wieder mit dabei sein.

Kategorien: Limbach-Oberfrohna, Sozialpolitik

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